Die Gegenwart wartet sanft und freundlich auf uns – Wenn das JETZT uns für immer mit unseren Liebsten verbindet. Ein Gedicht für unsere Mütter und die Liebe, die uns mit dem Leben verbindet.

Ich habe einen Traum, wie wir uns gegenseitig wach küssen

Und wie mich das JETZT mit meinen Liebsten verbindet

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Jeder Moment verfliegt wie eine Pusteblume und nach 42  Jahren begreife ich jeden Tag ein Stück mehr: Es gibt nichts wertvolleres, als das Leben im hier und jetzt, mit uns selbst und unseren Liebsten.

Doch braucht es weise Geduld, wenn unsere Liebsten mit ihren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind, während wir in der Gegenwart auf sie warten. Manchmal warten aber auch unsere Liebsten auf uns, während wir auf reisen sind und uns von „Gestern“ und „Morgen“ ablenken lassen.

Ich stelle mir vor, wie wir uns gegenseitig immer mehr wach küssen, bis all unsere Liebsten mit uns JETZT – nur JETZT – Pusteblumen pflücken und mit uns zusammenrücken.

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Das folgende Gedicht – ist mein tiefster Selbstausdruck – und doch ist es Zeit, ihn zu teilen.

Ich schenke meine Worte meiner Mutter Brigitte. Möge sie, wo immer ihre Seele jetzt ist, meinen Brief der Liebe empfangen. Ich widme dieses Gedicht unseren Müttern, den lebenden und den verstorbenen Müttern und ihren Kindern und ich widme diese Zeilen auch

der Gegenwärtigkeit,

die jeden Tag neu – sanft und freundlich –

auf mich und auf uns alle wartet und uns nie verlässt.


 

  In einem anderen Leben

 

Würde ich mit dir jetzt deine selbstgebackenen Plätzchen essen

Und den Rest der Welt vergessen

Würde mit dir in der alten Holzkiste von Oma in Urlaubsbildern wühlen

Und mit Dir bis in die Nacht auf der Veranda Glühwürmchen zählen

 

Doch vor 29 Jahren

 

Ich werde es nie vergessen

Dieser eine letzte Nadelstich war dein Verhängnis

In dem Krankenhaus, in ihrer Toilette

Fanden sie dich,

wo dein letzter Atemzug aus Dir wich

 

Nach 29 Jahren

 

Sehe ich die Schönheit

Sehe ich die Wunder

Sehe ich mein Glück

Doch wünschte ich mir nur 10 Minuten deinen Atem zurück

 

In einem anderen Leben

Würde ich mit dir als Kind verstecken spielen

Und mein letztes Geheimversteck in unserem Wald für dich riskieren

Würde mit dir einen Filmabend mit Popcorn und Schokocreme wählen

Und mit Dir bis in die Nacht auf der Veranda Sterne zählen

 

Doch vor 30 Jahren

 

Ich werde es nie vergessen

Mein 12. Geburtstag

Die Zugspitze, wie Siegende wir einnahmen

Du kamst aus Berlin

Und mein Herz höher schlug als bei einem Lottogewinn

 

Nach 30 Jahren

Sehe ich die Fülle

Sehe ich die Geschenke

Sehe ich mein Glück

Doch wünschte ich mir nur 10 Minuten deine Stimme zurück

 

In einem anderen Leben

 

Würde ich mit dir meinen 18. Geburtstag in Paris teilen

Und von einem Wolkenkratzer mit dir unsere Bilder wie Konfetti verteilen

Würde mit dir den Dalai Lama besuchen

Und mit Dir eine Rucksacktour durch Thailand buchen

 

Doch vor 36 Jahren

 

Ich werde es nie vergessen

Diese eine letzte Sekunde in meinem Kopf vergraben

Wolltet ihr euren Freund vor meinem Zimmer wieder beleben

Musstet aber vor der Polizei – wegen der vielen Drogen fliehen

 

Nach 36 Jahren

 

Sehe ich meine Begabungen

Sehe ich den Sinn meines Lebens

Sehe ich mein Glück

Doch wünschte ich mir nur eine einzige Umarmung zurück

 

Weil du mir mein Leben schenktest

durfte ich die Gegenwärtigkeit der Liebe entdecken

und in diesem Leben

jedem Atemzug mein Passion schenken

 

So lausche ich der Stimme meiner Kinder

Und umarme meine Liebsten ∞ für immer

 

Vergeude Stunden mit Träumen

Und schreibe Gedichte ∞ für immer

 

Sehe die Liebe in jedem Grashalm

Und liebe das Leben ∞  für immer

 

Schätze jeden Tag und jede Nacht

Und vertraue Gott ∞  für immer

 

Ich sehe mein Familienglück, dass du nie hattest

Und dennoch bleibst du mit uns

verbunden ∞  für immer.

 

Doch wünschte ich mir nur einen Tag, nur einen Tag, mit Dir zurück.

Das wäre die Sahnecreme zu meinem Glück.

 

 

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Die Gegenwart – der kostbarste Moment. Wie eine einzige Pusteblume, die wir nie wieder sehen, wenn wir sie zum Fliegen bringen. Das habe ich durch das Leben, dass meine Mutter mir schenkte, entdeckt.

 


von Melanie Geyermann © Melanie Geyermann, Alle Rechte bleiben bei der Verfasserin

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