Eine Knospe

Knospe

Ich teile mit Dir eine philosophische Betrachtung.

Eure Melanie


 

Mit Focusing eine Knospe betrachten.

Einwenig Lust, eine Pause auf einer Parkbank einzulegen? Die warmen Sonnenstrahlen auf Deinen Wangen zu spüren? Du atmest tiefer, kehrst zu Dir zurück und spürst ganz deutlich, wie diese Zeit jetzt ganz Dir gehört. Träumen erlaubt. Vor Dir eine wundervolle Staude mit einer einzigen kleinen, fast vergessenen Knospe, die den Sommer verschlafen hat?


Eine kleine Knospe und Ich

 

Es ist Herbst und es liegt etwas nicht greifbares in der Luft, als wenn sich etwas noch nicht einig ist. Während die  kühle und von Wald durchdrungene Prise das grüne Moos und die erdige Rinde der Nadelbäume locken lässt, im nahegelegenen Wald zu verweilen, gehe ich durch eine weitläufige Parkanlage, die von alten Tannen und Kiefern gesäumt ist.

Eine Knospe, klein und unscheinbar, erweckt meine Aufmerksamkeit. Wie ein schlafendes Kind, hat sie den Sommer überdauert und ihre Einfachheit und Schönheit blickt mich ohne Worte. Ich verweile mit ihr. Nur sie und ich.

Knospe i

Woher weiß ich,

das diese Knospe eine Verkörperung des Schönen ist? Fragt es plötzlich in mir.

Ich spüre nach. Mein Körper weiß es einach, sagt mein Körper. Ein warmes weiches Gefühl strömt vom Bauchraum nach oben und entlockt mir ein Lächeln. Es ist immer wieder schön, dieses kleine Wunder einer Knospe zu bemerken und sich daran zu erfreuen.

Eine strömende Dankbarkeit breitet sich in mir aus, in dem klaren Bewusstsein, in diesem Körper beheimatet sein zu dürfen. Nicht auszudenken, wenn ich keine Sinne, keinen Körper, keine Wahrnehmung hätte, mit dem ich Freude und Genuss auskosten könnte.

Ich lasse den Gedanken wieder ziehen und stelle grundlegend fest, dass diese universelle Schönheit dieser Knospe, die in ihrer Ästhetik und Filigranität einzigartig ist

– als ein faszinierender unverschlüsselter Zauber, alles von innen heraus so anordnet und entfaltet, dass wir Menschen, als ein Teil davon, immer wieder mit offenem Mund nur darüber staunen können. Das dies einfach so geschieht, ohne das irgendjemand auf den Knopf seiner Tastatur gedrückt hätte.

Holunder

Wir werden wahrscheinlich nie erfassen, wie diese Vielfalt an Pflanzenarten und Tierarten entstehen konnte, ohne aus einem 3D-Drucker zu kommen.

Diese Gedankenkette fühlt sich so süß wie  Holundersirup an, so sanft und friedlich wie ein Kinderlächeln. Es schmeckt von inneren heraus nach Altrosa und Apfelblüten.

Etwas ergreifendes in mir huscht vorbei, wie ich nur an dem Sinn dieser Welt zweifeln konnte, wo doch wirklich alles von einer Gesetzmäßigkeit der Ordnung, der Evolution und Schönheit durchdrungen ist.

Diese Gesetzmäßigkeiten kommen nicht von dem Theaterspieler, dem Menschen.

Wie um Himmels willen sollten wir auch in der Lage sein, die Gravitationskräfte im Weltall mit unseren kleinen Händen zu steuern? Die Planeten würden wohl wie bunte Murmeln durchs Weltall kullern und ordentlich Chaos anrichten.

Beruhigend zu wissen, dass dieser Schöpfer, der so viele Namen hat, nicht alles unserem freien Willen überlassen hat. Vielleicht ist er ja tatsächlich ein liebender Vater, der wohlwollend und bedacht, väterliche Grenzen setzt, damit der Mensch – kontrolliert scheitern und seine eigenen selbst bestimmten Erfahrungen machen kann.

Um letztendlich, unbeschadet die Pubertät der Menschheit zu überstehen.

 

Unendlich viele Wunder

 

Die meiste Zeit sind wir allerdings außer Reichweite unseres Bewusstseins, dass uns unmissverständlich, wie ein geduldiger Lehrer, verdeutlichen würde, wie unzählige unsichtbare Kräfte  unendlich viele Wunder hervorbringen.

Ich denke an die kleinsten Quarks und die unzählbaren Mikroorganismen, die untereinander intelligent miteinander kommunizieren, an die Vielfalt der Blumenwonne und Pflanzenpracht, an jedes Tier und jeden Stein, an die Sonnenauf- und Untergänge, nicht zu vergessen, an die große blaue Murmel, die wir Erde nennen. Und was ist mit diesen anderen unzähligen Himmelskörpern, die verlässlich Tag für Tag ihre Runden durchs Weltall drehen, ohne auch nur einmal in ihrer Aufgabe auszufallen.

Aber am meisten muss ich in diesem Moment an dieses Geschöpf, dass sich Kolibri Falter nennt, denken. Als wenn es sich aus einer Parallelwelt zu uns verirrt hat, wo Gnome und Feen ihren Zauber verteilen. Hat jemand schon mal sich gefragt, wer ihm diese wunderhübschen Augen geschenkt hat? Gänsehautstaunen läuft über meine Haut.

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Mir ist unbegreiflich, dass manche dies alles als Zufall deuten.

Während sich dieser Gedanke in die Ferne verflüchtigt, wie kleine Glühwürmchen, fängt mein Blick ein neues Forschungsfeld ein, man nennt es auch leichte Ablenkbarkeit in dieser Welt:

Wurzeln

Ich entdecke plötzlich wie ein Neugeborenes die Wurzeln eines Baumes. Fast, als hätte ich einen Röntgenblick, nehme ich die Wurzeln in ihrer Ganzheit wahr, umsäumt von nasser, schwerer Erde und Gestein, denn es scheint letzte Nacht ordentlich geregnet zu haben.

Wer ist wohl diese Kraft, die diese geniale Idee hatte, diese Wurzeln, die mir gerade zu Füßen liegen und wie riesige Regenwürmer im Boden verschwinden, schlichtweg ohne großes Tamtam zu erfinden. Ein perfekter Bauplan, für unzählige Pflanzen, Bäume und Pilze, in einer vollkommenen Ganzheit angeordnet. Oder gäbe es doch noch etwas an dieser Erfindung zu bemängeln? Oder doch ein langweiliger Zufall?

Jedem sein eigener Glaube.

Auch wenn es sich jetzt darüber streiten lässt, ob diese erdigen Wurzeln eine Schönheit ihrerseits sind, so verbergen sie eine Gran­di­o­si­tät, die wir Menschen im Sumpf unserer Selbstverständlichkeiten längst übersehen haben.

 

Eine kindliche Pipi-Langstrumpf-Freude

 

Auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, woher ich diese Gedanken gerade nehme, stellt sich in meinem Körper eine kindliche Pipi-Langstrumpf-Freude ein, die so etwas pulsierendes und hüpfendes hat und ich spüre es nicht im Rücken oder in den Beinen, ich spüre es ganz deutlich von meinem Bauch ausgehend und das wie ein quirliger Bachlauf zu meinem Herzen sprudelt. So ein warmes freundliches Gefühl in meinem Herzen verbleibt, wie eine Liebende, die bei der Abreise einen Liebesbrief auf dem Kopfkissen hinterlässt.

Es ist keine Enge, kein Stein auf meiner Brust, keine Eisenplatte oder eine Art Seil, dass mein Herz einschnürt. Nein – es ist warm und ausweitend, fröhlich, beschwingt und sprudelnd. Meinem Körper scheinen meine Gedanken zu gefallen. Und noch besser ist es, dass ich es gerade bemerke.

Ohne einen Knopfdruck, ist mein Körper meinen Gedanken gefolgt und drückt unmittelbar alles aus, was ich gerade denke und fühle. Wie ein Pinsel, der von alleine in die Farben taucht und ein Bild malt, weil er seinem Künstler´s Gedanken lauscht.

Wenn ich mich nun wieder vor meinem inneren Auge, denn jetzt schreibe ich sitzend auf einer Parkbank meine Gedanken auf, diesen faszinierenden Wurzeln zuwende, bemerke ich ihre feinsten und kleinsten Ausläufern. Jeder kleinste Wurzelaspekt, wäre in seiner Einzigartigkeit schlichtweg aufs einfachste angreifbar und könnte ohne Mühe aus dem Boden gerissen werden. Sie erscheinen so zart und angreifbar, doch in ihrer Summe des großen Ganzen, sind sie im  – Großen und Ganzen – unverwüstlich. Dazu sei angemerkt, dass die Symbiose zwischen Boden und Wurzeln  ihr ganz eigenes perfektes Gleichgewicht hinzufügt.

Wie ein Konzern, der ohne komplizierten Einfluss, wenn es das doch nur gäbe, von dem Geschäftsführer bis zum Fensterputzer harmonisch synchron zusammenarbeitet.

Es ist schon sehr bemerkenswert, dass diese Evolution, solche grandiosen Ideen hatte und einen ganzen Planeten mit Bäumen bepflanzt, die uns Menschen, in ihrer Festigkeit und Zentrierung bei Weitem übertrifft.

Eine Brücke 

Ähnliches Foto

In mir baut sich plötzlich eine Brücke. Links das komplexe Gesamtgebilde Namens Wurzelwerk und Rechts Focusing als Lebensphilosophie. Ja, das ist möglich.

Wenn Du neugierig bist,  nehme ich Dich mit auf diese Brücke, denn es wäre spannend zu wissen, was Dein Körper dazu zu sagen hat. Wie Deine Körperresonanz zu all dem Ganzen ist:

Du kannst die Frage nach innen schicken:

Wie ist es in meinem Körper, wenn ich all das Ganze in mir, statt einzelne Wurzeln, all das Lebendige, Körperliche, Mentale, Emotionale und Geistige, all meine  Erinnerungen, all das Gelernte,  all das Leichte und all das Schwere, all die Bilder, Gerüche und Töne, all die Überzeugungen und all die ungelösten Probleme,

ALL DAS GANZE

nicht getrennt voneinander betrachte? Wenn ich sozusagen jeden kleinsten Wurzelaspekt meines SEINS auf ein großes Wurzelwerk zusammenfasse?

Erlaube Dir, damit so lange wie Du magst, zu verweilen… Wie ist ES damit in Deinem Körper, wie ist die feine Resonanz Deiner lebendigen Stimmgabel, wenn Du damit verweilst?

Kommt ein etwas Zartes, oder nicht Greifbares? Kommt ein Körperwort, ein Bild, eine Körperbewegung mit den Händen oder ein Symbol, von tief innen als Körperresonanz? Oder was ist es ganz genau? Erlaube Dir die Zeit, die Dein Körper braucht, darauf zu antworten. Manchmal ist es so zart wie ein Reh am Waldrand, manchmal so kraftvoll wie  ein Regenschauer.

Einzeln betrachtet mag ein Teilaspekt meiner ganzen Persönlichkeit schwach, angreifbar, unangenehm, schmerzend, überwältigend, unertragbar und unüberwindbar erlebt werden. Unser Körper kann dies sehr gut verkörperlichen, wenn ein Teilaspekt als eine wirklich gefährliche Bedrohung empfunden wird. Wie ein Virus, der das gesamte System lahmlegt.

Manchmal scheint es sogar so, als wenn eine kleine Handvoll unterschiedlicher Teilaspekte meines SEINS heftigste Überschwemmungen, ja sogar die vermenschlichte Sintflut auslösen können, weil die Menge an Aufgaben und Sorgen überhand nehmen.

Es ist aber auch genauso das Gegenteil möglich. Es soll schon vorgekommen sein, dass ein einziger Gedanke oder ein neues Körpergefühl in Sekunden von Bruchteilen das gesamte Körpersystem positiv umstimmt und – auf dem gleichen Bildschirm – plötzlich Durchatmen, Ruhe und Frieden auftaucht.

Jetzt die wirklich wichtige Frage:

Wie ist es aber in MIR, in meinem Körper, wenn ich zwei Millionen Schritte zurück trete. Quasi in mein Raumschiff steige, um von ganz weit oben, statt auf unseren Planeten, auf mich als Ganzes zu schauen.

Auf meinen Körper und alle meine über 50 Billionen Zellen, auf die Mikroorganismen, die mit mir in meinem Körper in Symbiose leben, auf all meine gefühlten Emotionen und erlebten Dramen, auf all meine jemals gedachten Gedankenfunken und Geistesblitze, auf alle meine Körpergefühle, auf einfach alles, auf alles Bewusste und auf alles Unbewusste, auf alles Erreichte und Unerreichte, auf alles Leichte und auf alles Schwere, – und auf alle gelösten und ungelösten Probleme.

Und all das als das GROSSE GANZE wahrnehme?

Weltall oo

Diese Frage taucht ganz ein,

in mich, in mein kleines Universum:

Ich atme plötzlich zu tiefst ein, es pulsiert auf eine mir fremde Weise. Es ist irgendwie noch nicht greifbar. Ich lasse mir Zeit, ich genieße es ehrlich gesagt regelrecht. So eine Vorahnung kommt auf.

Es breitet sich plötzlich ein unbeschreibliches Gefühl aus. Es ist eine Weite, die ich in meinem Körper so noch nicht gespürt habe. Ich spüre nach und verweile damit. Es ist köstlich. Einfach wunderschön. Dieses neue Gefühl.

Jetzt hab ich es, es ist, als ob ich wüsste, wie sich eine ganze Galaxie als großes Ganzes fühlt. Ein innerliche Gänsehaut, – ich muss schmunzeln – , klopft von innen an und breitet sich süßlich aus. So fühlt es sich an. Worte des üblichen Wortgebrauchs reichen nicht für dieses Gefühl. Das Besondere, es findet alles in mir statt. Es ist nicht außerhalb von mir.

Ich fühle mich plötzlich so positiv verdichtet von innen an. Statt leer und luftig, ist eine neuartige angenehme Festigkeit zu spüren. In den Armen und Beinen und im ganzen Körper. Ich suche noch nach einem besseren Wort, „dicht“ trifft es noch nicht ganz.

Es ist wie die schönste Stille, die man sich nur vorstellen kann. So wie eine kosmische Weltallstille.  Wie eine – universelle Pause, ein tiefes beruhigendes Schwarz, das all seine sichtbaren und unsichtbaren Farben in sich trägt.

Mag das der Geschmack von  „Einheit“ sein?

Ich atme zu tiefst ein und aus. Ja, dass ist es.

So stelle ich mir Einheit, EINS SEIN vor. Was für ein neues Gefühl von Leben.

Wow! Das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Wie ist es jetzt in meinem Körper? In mir bleibt diese erdende Festigkeit. Es fühlt sich unbeschreiblich angenehm an. Nein – sogar noch mehr.

Es ist unbeschreiblich ganz, vollständig, ein grundlegendes Bedürfnis, dass ich schon so lange gesucht habe, ohne den Namen dafür gewusst zu haben.

Wie so ein lebendiges,  pulsierendes Netz einer großen Nation, die durch nichts angreifbar ist. Jeder in dieser Einheit hat seinen festen und geachteten Platz, wird gesehen und ist bedingungslos willkommen und wichtig, wird durch nichts fallen gelassen. Alles Gute und alles Schwierige darf in mir unwiderruflich friedlich nebeneinander existieren. Und gemeinsam als Verbund, ist es unbesiegbar.

Etwas in mir fragt sich: kann es sein, dass DAS das UR-Bedürfnis aller Menschen ist?

PAUSE

Ooh ja, sagt es in mir und ich muss tief einatmen und tief ausatmen.

Glasige Augen.

Ich frage mich, wenn ein uralter festverwurzelter Baum mir seine Gefühle und Gedanken mitteilen könnte, würde er sich genau so fühlen?

Ist das der Grund, warum ein großer stämmiger Baum so eine beruhigende, kraftspendende und gefestigte, in sich ruhende Ausstrahlung hat?

Baum

Ich spüre nochmal nach innen… Wie ist es jetzt, mit all dem Ganzen in mir. Ich atme zutiefst befriedigt und genährt ein und wieder aus.

Da wird mir plötzlich etwas Grundlegendes klar:

In diesem Licht, mit diesem in mir gehaltenen Gefühl und dieser friedvollen Weite in mir, sie ist nicht um mich, sie ist tatsächlich deutlich in mir, erscheint jetzt so manches Schreckensgespenst,

meines großen Ganzen, gar nicht mehr so furchteinflößend. Was für ein schönes und beruhigendes Gefühl. Ängste, Sorgen, Wut, Scham, Schuldgefühle, große und kleine Probleme sind jetzt eingebettet in ein großes Ganzes.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich dieses neue wunderbare friedvolle und samtweiche Gefühl nicht festhalten kann. Aber ich kann mir gewiss sein, dass mein Körper diese Begegnung nicht mehr vergisst. Und bei der nächsten Begegnung mit einem großen alten Baum  darf ich mich erinnern, dass ich

in jeder Hinsicht,

von dieser Welt und seinem Weltraum

und von meinem Körper getragen bin.

Weltall getragen


© geschrieben von Melanie Geyermann,  Copyright Melanie Geyermann 2017

Bilder: Pixabay, Freie kommerzielle Nutzung

 

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